EDITION 30 // 2017_2018

E X P E R I E N C E : O U T D O O R S 68 // T O W E R R E V U E d Der Schnee stäubt auf, als der Helikopter seine Kufen aufsetzt. Der Motor verstummt. Dann herrscht Stille. Es ist eine erhabene Stille auf dem Dosso de Pone, in 2.550 Meter Höhe. Das Herz be- ginnt zu klopfen beim Blick auf den Cima de Piazzi, so verfüh- rerisch glitzert sein Westhang im Morgenlicht. Vollkommen unbe- rührt ist er, keine Spur zu sehen. Die Heli-Skifahrer erleben einen magischen Moment zwischen Himmel und Schnee. Der Puls steigt, als die Schuhe in die Bindungen klicken.Wie im Rausch gleiten sie dann durch den Tiefschnee ins Tal auf 1.900 Metern, vollkommen frei und leicht durch die wunderschöne Natur. Das Tempo nimmt zu. Es ist fast wie fliegen, fast wie eine Droge. Eine Herausforderung bringt die Tour ganz bestimmt, dazu puren Spass. „Zum Jauchzen schön ist sie“, schwärmt Erich Bottlang. „Für mich bedeutetet Heli-Skiing reine Ekstase!“ A B H E B E N Z U M A B E N T E U E R Der diplomierte eidgenössische Skilehrer Erich Bottlang lässt Gäste des Badrutt’s Palace Hotels regelmässig abheben, um ih- nen Schnee-Abenteuer auf allerhöchstem Niveau zu bieten. Wie hier, wenn der Hubschrauber den Landeplatz nördlich der italieni- schen Bergstation Bormio 3.000 ansteuert. Ein exquisites Ver- gnügen. Weit, sehr weit weg von den normalen Pisten. Mögen andere Tiefschneeabfahrten in Kanada für das Nonplusultra halten, hier erlebt man, dass auch Europa in Sachen Heli-Skiing einiges zu bieten hat. Und dieses Bormio 3.000 in der Lombardei ist gerade mal 45 Minu- ten von St. Moritz entfernt, ein kleiner Zwischenstopp inbegriffen. Denn an der schweizer-italienischen Grenze wird der Hubschrauber gewechselt. Die Gesetze wollen es so. Was der Spannung aller- dings keinerlei Abbruch tut. Im Gegenteil: Die Vorfreude steigt um so mehr! „Den Cima de Piazzi muss man einfach mal mit einem Freeride-Ski gefahren sein“, Bottlang lacht und schickt gleich die Begründung hinter- her: „Das Ding macht richtig Spass.“ Wenn er das sagt! Bottlang (57) hat 35 Jahre Erfahrung … E X T R A V A G A N T E T O P - S P O T S Landeplätze für Helikopter in luftigen Höhen – nicht allzu weit von St. Moritz entfernt – gibt es verschiedene, allesamt Top-Spots für atemberaubende Erfahrungen. Sensationell wird es, wenn der Heli- kopter gleich mehrere an einem Tag ansteuert: bei der extravagan- ten Tagestour zum Sustenpass etwa. Sie bedeutet sechs Stunden Ad- renalin nonstop. Der Kick beginnt am Sustenjoch auf 2.900 Meter Höhe. 600 Höhenmeter geht es den Sustengletscher zum Teil mäch- tig steil bergab, vorbei an fantastischen Gletscherabbrüchen bis zur Passstrasse. Können ist dabei gefragt. Und Kondition. Denn an der Strasse wartet der Heli schon – auf zur zweiten Runde! Wieder geht es hinauf, um auf der Stelle wieder abzufahren. Jeder sucht sich eine neue Spur, James Bond würde neidisch werden … Die Rotorblätter beginnen sich zu drehen. Nächstes Ziel: Petersgrad. Auf dem Weg dorthin zieht ein fantastisches Bergpanorama vorbei, das Jungfernjoch, die Eiger-Nordwand, dann steht die nächste Lan- dung auf 3.170 Meter Höhe an: Dieses Mal sorgt der Breithornglet- scher für unbändige Freude, 1.000 wunderbare Meter lang. Unten pickt der Heli die Fahrer auf, um sie nun auf dem Äbeni Flue abzu- setzen, zum Badrutts’s Palace-Lunch in faszinierender Naturkulisse auf 3.700 Meter Höhe mit feinen Sandwiches aus der Küche des Badrutt’s Palace Hotels. Dazu funkelt ein Glas Roter Veltliner im Glas. Wo könnten Brot und Wein besser schmecken? Die Stärkung ist willkommen, die nächste Abfahrt wartet schon – bis die letzte Station auf 3.160 Metern angeflogen wird: die Lötschenlücke in den Walliser Alpen. Anschliessend werden die Skifahrer in 40 Minuten zurück nach St. Moritz gebracht. Der Transfer zum Hotel erfolgt stilecht: im Rolls-Royce. Doch das Gute liegt auch nah. Das Einschweben ins Winterwunder- land ist auch im Umkreis von St. Moritz möglich. Dann landet der Hubschrauber gerade mal fünf Flugminuten vom Badrutt’s Palace Hotel entfernt auf der Fuorcla Chamuotsch, mithin auf 2.935 Me- ter Höhe. Es ist der einzige offizielle Landeplatz im Engadin. Auch dort erwartet die Skifahrer Schnee satt! Sechs Kilometer sausen sie in diesem Taleinschnitt neben dem Piz Julier in die Tiefe, Höhen- differenz 600 Meter. Ein El Dorado für alle, die Erfahrung mit dem Fahren im Gelände sammeln möchten, bevor es ins Extreme geht. Aber Achtung an alle, die diesen Ski-Kick der Extraklasse das erste Mal erleben: Es besteht akute Suchtgefahr! Damit jede Abfahrt zum vollkommenen Genuss mit wohlkal- kuliertem Risiko wird, ist neben dem Piloten und dem Ski-Coach stets ein Bergführer mit von der Par- tie, der das jeweilige Gelände wie seine Wes- tentasche kennt. Heli-Skiing ist meist ab Januar möglich und geht bis ins Frühjahr hinein gut. „Wenn sich der Schnee ge- setzt hat, ist es weniger gefährlich“, sagt Erich Bottlang. Für alle Fälle trägt je- der Sportler ein LVS bei sich, ein Lawi- nen-Verschütteten-Suchgerät. Es gehört als Standardausrüstung ebenso zum Not- fall-Kit wie Airbag, Sonde und Schau- fel. Wer darauf brennt, sich ausschliesslich abseits der Pisten zu bewegen, sollte über körperliche Fitness, gute Kondition und Fahr- können verfügen. „Dazu gehört eine ausgefeilte Skitechnik sowie Erfahrung im Tiefschnee, für ein zügiges, sicheres Fahren im Gelände“, rät Bottlang. Damit nach diesen unvergesslichen Momenten alle mit strahlenden Augen nach St. Moritz zurückkehren. Und wieder eintauchen können in das wohlige-warme Gefühl, zu Hause anzukommen: im Badrutt’s Palace Hotel. T I P P S F Ü R F R E E R I D E R Auch Freerider kommen zum Beispiel in der Region Bormio nicht zu kurz. Unterhalb der Bergstation Bormio 3.000 findet sich eine grosse Freeride-Area. Ein Hang dort ist der Traum schlechthin: der Vallone. Er ist sehr steil und extrem lang! Die Weltcupstrecke bietet 1.700 Meter Höhenunterschied und ist damit einer der Rekordhal- ter weltweit. Das nahe, weltcuperprobte Santa Caterina hat auch einiges zu bieten. Die Heilige Caterina wartet zum grössten Teil mit roten und schwarzen Pisten auf – auf Nordhängen. „Es ist nicht nur ein Rennläufer-Mekka, sondern auch für Freerider ein absoluter Knaller, dort ist man fast allein mit breiten Ski“, so Bottlang. „Und mit ein wenig Aufstieg kann man den Monte Sombretta erklimmen und den Blick über die ganzen Südalpen schweifen lassen – ein Traum!“ //

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