spendenmagmagazin2021

Fotos: Thomas Rubner, Afghanischer Frauenverein, Hamdard/Welthungerhilfe, Glinski/Welthungerhilfe Dabei kommt dem Verein zugute, dass er fest in der Region ver- wurzelt ist. Seit 30 Jahren ist Katachel in Kundus vertreten, einer Provinz im Nordosten des Landes. Damals waren bereits die Taliban an der Macht. Auch wenn die neue Regierung oft skeptisch ist ge- genüber Hilfsorganisationen und am Anfang unklar war, ob die Ar- beit weitergehen darf, am Ende überzeugte der jahrelange Einsatz von Schnehage und den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen über mehrere Regierungen hinweg, der sich allein an den Menschen vor Ort ausrichtet. „Die Leute kennen mich alle über Jahre. Sie kennen unsere Arbeit und wissen, dass wir unpolitisch sind und einfach nur Leuten helfen wollen. Das hilft uns im Moment sehr.“ Gemeinsam mit den Dorfgemeinschaften Von einer solchen Langzeiterfahrung profitiert momentan auch der Afghanische Frauenverein, der ebenfalls seit 30 Jahren vor Ort tätig ist. Eigentlich sollte man bei einem solchen Namen denken, dass die Organisation als eine der ersten schließen musste. Doch das Gegenteil ist der Fall. „13 unserer 15 Projekte sind unvermindert aktiv seit der Machtübernahme der Taliban“, berichtet Geschäfts- führerin Christina Ihle mit deutlich hörbarer Erleichterung. „Und auch bei den verbleibenden zwei Projekten bin ich optimistisch, dass es weitergehen wird. Das war am Anfang noch unklar. Unsere große Sorge war: Können unsere Ärztinnen, unsere Lehrerinnen, unsere Hebammen gesichert weiterarbeiten? Das war eine große Angstphase auf allen Seiten. In den ersten Tagen haben wir stünd- lich nach der Machtübernahme der Taliban evaluiert, wie sicher oder unsicher die Lage für unse- re Einsatzteams ist. Die meisten Kolleginnen wollten aber nicht abwarten, sondern haben gleich weitergemacht.“ Zu groß war die Not, etwa im Gesundheitsbereich. Zu groß war aber auch das Bedürfnis, die vielen wichtigen Projekte weiter voranzutreiben, an denen der Verein arbeitet. Und die sind sehr vielseitig. Mal geht es um die Eröffnung einer Mädchenschule, mal soll ein Brunnen gebaut oder eine Gesund- heitsstation eröffnet werden. Das Besondere dabei ist: Sämtliche Projekte werden gemeinsam mit der jeweiligen Dorf- bevölkerung geplant und umgesetzt. Der Verein bringt die finanziellen Mittel auf und die Menschen vor Ort die Arbeitskraft, das Material oder auch die Grundstücke. Tatsächlich sind es die Dorfgemeinschaften, die mit ihren Anliegen auf den Afghanischen Frauenverein zugehen. Auf diese Weise entstehen tatsächlich einheimische Pro- jekte, die von den Dorfgemeinschaften geschützt und ge- sichert werden. Das bedeutet aber nicht, dass die Projekte dadurch zum Selbstläufer werden. Denn auch wenn sich in mancher Hinsicht die Lage etwas beruhigt hat und Organisationen weiterarbeiten können, weiß niemand, wie sich die Situation in Afghanistan langfristig entwi- ckelt, verdeutlicht Christina Ihle. „Noch ist das Wirken der Taliban in den verschiedenen Provinzen sehr unter- schiedlich, mal moderat, mal konservativer. Wichtig ist, dass sich die internationale Gemeinschaft jetzt nicht von Afghanistan abwendet, sondern im Dialog bleibt.“ Langfristige Entwicklungshilfe ist derzeit in Afghanistan schwer möglich. Die Welthungerhilfe versucht dennoch, bei der Landwirtschaft zu unterstützen und so Perspektiven zu eröffnen Viele Frauen müssen sich inzwischen allein um ihre Kinder kümmern, da die Männer geflohen oder im Krieg gestorben sind Die meisten Kol- leginnen wollten nicht warten, sondern haben weitergemacht 10 | Engagement

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