spendenmagmagazin2021
„Der bürokratische Aufwand sowohl für die Betroffenen als auch für uns als Orga- nisation ist groß.“ Der Verein unterstützt Familien mit Kindern, deren Hausrat nicht elementarversichert war, finanziell bei der Wiederbeschaffung. 1.500 Euro an Fi- nanzhilfe wird pro Kind gewährt, maximal 5.000 Euro pro Familie. Ziel ist es, dass von der Flut betroffene Familien mit Kindern möglichst schnell in ihre vertraute Umge- bung zurückkehren können. Darüber hin- aus hat sich der Verein der Unterstützung traumatisierter Kinder und Jugendlicher verschrieben und hilft etwa beim Wieder- aufbau eines Therapiezimmers. Um die of- fene Kinder- und Jugendarbeit fortsetzen zu können, besorgte die Aktion Kleiner Prinz drei Bauwagen und für den Winter beheizbare Container, in denen das Ange- bot in Ahrweiler weiter stattfinden kann. Insgesamt 800.000 Euro wurden an die Ak- tion Kleiner Prinz hierfür bereits gespendet. Bisher sind mehr als 40 Anträge von betrof- fenen Familien gestellt worden. „Das ist für uns als kleine ehrenamtliche Organisation eine Herausforderung. Schließlich prüfen wir jeden Antrag mit einem zweiköpfigen Gremium vor Ort, um die Bedürftigkeit der Antragsteller und die Transparenz bei der Verwendung der Gelder sicherzustellen.“ Kommunen helfen Doch nicht nur Hilfsorganisationen haben zu Spenden aufgerufen, auch Kommunen haben direkt Geld gesammelt. Nur wer ent- scheidet hier, wer wie viel bekommt? Und wer sorgt für Gerechtigkeit? In Erftstadt ist das unter anderem Peter Kamp. Der ehema- lige Präsident des Oberlandesgerichts Köln unterstützt die Stadt als Ombudsmann bei der Verteilung der Spenden und versucht, bei Streitfällen Lösungen zu finden. „Ich bin Mittler zwischen der Stadtverwaltung und den Betroffenen. Ich vertrete sehr stark die Interessen der Geschädigten und versuche, ihre Nöte aufzugreifen und ihnen zu helfen.“ 7,7 Millionen Euro gingen seit Mitte Juli auf dem Spendenkonto von Erftstadt ein. Jeder Euro geht an die Betroffenen. Auch Kamp arbeitet ehrenamtlich ohne Aufwandsent- schädigung. „Ich habe seit Anfang Sep- tember weit über 100 Fälle bearbeitet. Ich zähle die Stunden nicht. Was anfällt, wird erledigt.“ Doch so einfach ist es nicht immer, schnell zu helfen. Vielen Betroffenen geht es zu langsam. „Zu bürokratisch“ ist der Vor- wurf, der mancherorts laut wird. Manches aber lässt sich nicht beschleunigen. Nicht alle Häuser können sofort wiederaufge- baut werden, da die Hochwassergebiete teils neu ausgewiesen werden und unklar « Deutschland ist nicht auf solche Extremereignisse vorbereitet Wie soll es in Zukunft weitergehen? Die akute Notversorgung weicht mittlerweile der Hilfe zum Wiederaufbau. Doch der wird viele Jahre dauern ist, ob überhaupt an derselben Stelle noch einmal gebaut werden darf. Hinzu kommen gesetzliche Bestimmungen, wie Dominique Man vom Aktionsbündnis Katastrophen- hilfe erklärt: „Wir müssen den Prozess der Bereitstellung unserer Hilfe noch besser an die Betroffenen kommunizieren. Viele wundern sich, warum noch keine größeren Summen für den Wiederaufbau von Wohn- raum bewilligt werden konnten.“ Vom Ausland lernen Außerdem stellt sich die Frage, wie solche Katastrophen künftig verhindert oder re- duziert werden können. Der internationale Erfahrungsschatz der Hilfsorganisationen kann hier miteinfließen. „Wir können von Ländern wie den Philippinen lernen, wo je- den Monat ein Taifun über die Inseln jagt. Dort sind die Schäden nicht so verheerend, denn die Menschen sind besser gewappnet. Deutschland ist in struktureller Hinsicht nicht auf solche Extremereignisse vorbe- reitet. Da können wir Hilfsorganisationen beraten und helfen“, so Mann. Manuela Rossbach vom Aktionsbündnis Aktion Deutschland Hilft geht in ihrer Forderung noch weiter: „Der gesamte Ka- tastrophen- und Bevölkerungsschutz muss neu organisiert werden. Ab dem ersten Tag muss eine zentrale Koordinationsstelle ein- gerichtet werden, die nicht nur an die Tech- nik, sondern auch an das Soziale denkt. Es wäre jetzt äußerst wichtig, dass sich alle beteiligten Organisationen an einen Tisch setzen und darüber sprechen, was sich in der Zukunft verbessern lässt.“ So legitim der Blick in die Zukunft ist, so wichtig ist es aber auch, den Betroffenen nun über den Winter zu helfen und sie auch Monate nach der Katastrophe nicht alleine zu lassen. Das Wichtigste ist, den Menschen das Gefühl zu geben, dass sie nicht verges- sen wurden, darin sind sich alle Hilfsorga- nisationen einig. Bärbel Mees Fotos: Phillip Köhler/DRK, Kai Kranich/DRK, Aktion kleiner Prinz 14 | Gesellschaft
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