spendenmagazin2020

Gewusst haben wir das schon vor 30, 40 Jah- ren. Doch mit den Wildbienen als Zugpferd hat sich endlich etwas bewegt.“ Tatsächlich sind solche Symboltiere ein wichtiges Mit- tel bei dem Kampf gegen das Artensterben. Wer die großen und sympathischen Tiere schützt, schützt automatisch viele andere Arten, die nicht so augenscheinlich sind und denselben Lebensraum besetzen. Bei- spielsweise hat die Heinz Sielmann Stiftung auf einer großen Fläche den Wisenten ein Zuhause gegeben, die kurz vor dem Aus- sterben standen. Das wiederum kommt anderen zugute. Wenn sich ein Wisent im Sand suhlt, hinterlässt das Tier eine riesi- ge, offene Sandstelle, die von Wildbienen genutzt wird, die im Sand nisten. Aber es müssen nicht immer weitläufige Areale sein. Die Organisation hat beispiels- weise gute Erfahrungen mit der Schaffung von Biotopen gesammelt, etwa am Boden- see. Die dienen als kleine Rückzugsorte für Arten, damit deren Lebensräume mit- einander vernetzt sind. Rettungsinseln innerhalb der Kulturlandschaft. „Über 130 Biotop-Bausteine sind auf diese Weise ent- standen“, führt Nora Künkler aus. „Das ist leicht umzusetzen und kostengünstig. Hier mal einen Weiher anlegen, dort eine He- ckenstruktur, Fließgewässer miteinander vernetzen. Dem Wasser wieder mehr Raum ge- ben. Das Konzept ist so überzeugend, dass wir es auf vier weitere Landkreise übertragen haben.“ Und auch die Menschen zu Hause können ihren Beitrag leisten, etwa durch einen bewuss- teren Einkauf. Wer zu Nahrungsmitteln greift, die bio, regional und saisonal sind, trägt dazu bei, dass ein entsprechender Markt entsteht und nachhaltiger Anbau at- traktiver wird. Die Verantwortung für den Wandel liegt also nicht allein bei Politik und Landwirtschaft, sondern auch bei den Kon- sumenten und Konsumentinnen. Für ein besseres Miteinander von Mensch und Tier Wie überfällig dieser Wandel und ein Um- denken sind, bringt Daniela Freyer auf den Punkt, Diplom-Biologin und Mitbegründerin des 1999 gegründeten Vereins Pro Wildlife in München. „Wir erleben derzeit das größte Artenmassensterben seit dem Ende der Di- nosaurier. Natürlich sind auch vor dem Auf- tauchen des Menschen Arten ausgestorben. Doch die Rate ist derzeit tausend Mal höher, als sie unter normalen Bedingungen wäre. Rund eine Million Arten werden nach aktu- ellen Prognosen in den nächsten Jahrzehnten unwiderruflich verschwinden.“ Dabei spielt neben dem Lebensraumverlust und dem Kli- mawandel auch die gezielte Jagd eine Rolle. Einer der Themenschwerpunkte der Organi- sation ist es daher seit der Gründung, den Handel mit Wildtieren oder Tierprodukten besser zu regulieren und ihn da zu verbie- ten, wo er bedenklich ist. Handlungsbedarf gibt es in der Hinsicht jede Menge, rund 75 Prozent der Tiere im Heimtierhandel sind überhaupt nicht geschützt. Das Ziel: Es soll- ten in Zukunft nur Arten gehandelt werden, bei denen es kein Risiko für den Naturschutz und den Gesundheitsschutz gibt. Welche Auswirkungen die Missachtung dieser Risiken hat, das konnte dieses Jahr jeder beobachten. „Corona hat ein ganz an- deres Schlaglicht auf die Thematik gewor- fen, wie Gesundheit und Naturschutz zu- sammenhängen“, führt Daniela Freyer aus. „Corona ist durch den Handel mit Wildtie- ren zu den Menschen gekommen. Es ist den Leuten dadurch bewusst geworden, dass es viele weitere Krankheitserreger gibt, die in den Tieren schlummern. Allein deswegen sollte allen klar geworden sein, wie drin- gend dieses Thema angegangen werden muss.“ Überhaupt setzt sich Pro Wildlife sehr für ein friedliches Miteinander von Mensch und Tier ein. Neben einem Projekt zum Schutz von Menschenaffen im Kongo und in Kamerun ist man an Auffangstatio- nen von Elefanten in Sambia und Sri Lanka beteiligt. In Tansania wiederum wird ein Projekt unterstützt, welches das friedliche Zusammenleben von Mensch und Elefant fördern soll. Denn nur wenn wir lernen, uns den Raum zu teilen und die Natur zu respektieren, lässt sich die nahende Kata- strophe noch verhindern. Oliver Armknecht Rund eine Million Arten werden in den nächsten Jahrzehnten verschwinden Pro Wildlife unterstützt weltweit Projekte zum Schutz von Elefanten und Affen, setzt sich aber auch für eine bessere Regulierung beim Handel mit Wildtieren ein « Fotos: Matthias Schickhofer, Heinz Lehmann, Holger Spiering, Limbe Wildlife Center, International Animal Rescue, Game Rangers Internationa 14 | Umwelt

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