2019
Vor allem die Schwächsten brauchen jetzt dringend Hilfe « Fotos: Deutsches Rotes Kreuz, Ärzte der Welt Herangehensweise der Behörden ist gegenüber nicht staat- lichen Organisationen sehr restriktiv geworden, weil sie alles kontrollieren und zum Teil auch vorgeben wollen.“ Ein Konfliktpunkt: Der Fokus der Behörden liegt auf den Kran- kenhäusern und damit den urbanen Zentren. Ärzte der Welt will hingegen gerade der ländlichen Bevölkerung helfen. Diese Hilfe kann viele Formen annehmen. Ärzte der Welt unterstützt Gesundheitseinrichtungen beispielsweise mit Medikamenten oder auch finanziell, gerade bei den Gehäl- tern des Personals. Denn die werden seit 2016 praktisch nicht mehr vom Staat bezahlt. Aber auch der Bereich psy- chische Gesundheit ist ein Problem, das nicht so sehr im Vordergrund steht. „Da gibt es derzeit im Jemen kein Sys- tem, um das aufzufangen“, erklärt Brunner. Allgemein sind es oft die Schwächsten der Gesellschaft, die dringend Hilfe bräuchten, etwa die unzähligen akut unterernährten Kin- der. Die Schwierigkeit besteht hier gar nicht unbedingt da- rin, dass keine Nahrung mehr vorhanden ist. Die Bevölke- rung kann sich diese aber einfach nicht mehr leisten, weil aufgrund der Blockade die Preise extrem gestiegen sind. Unser täglich Brot An dieser Stelle setzt die Welthungerhilfe an, die zusam- men mit der französischen Partnerorganisation ACTED an zwei Projekten beteiligt ist. In Sa’dah im Norden des Landes unterstützt sie die notleidende Bevölkerung mit Gutschei- nen, im südlichen Lahj wird Bargeld verteilt. „Die Leute wollen natürlich lieber Bargeld, weil sie dann selber ent- scheiden können, was sie am dringendsten zum Überleben benötigen“, erklärt Jesco Weickert, stellvertretender Regionaldirek- tor für die Mena-Region. Zudem ist der Aufwand beim Gutschein- Verfahren beträchtlich: Man muss Händler finden, die bereit sind, sich auf ein solches Verfahren einzulassen, die Gutscheine müssen auch wieder eingesammelt und dann abgerechnet werden. Sie ha- ben dafür den Vorteil, dass Preisschwankungen und Verteuerungen vermieden werden können. Im Vorfeld einer solchen Un- terstützung muss genau be- rechnet werden, wie viel Geld die Menschen zum Überleben brauchen. Für eine siebenköp- fige Familie sind das derzeit 65.000 jemenitische Rial im Monat, umgerechnet 210 Euro. Es muss auch genau überprüft werden, ob der Markt vor Ort überhaupt funktioniert und genügend Waren hat. Diese Projekte laufen drei bzw. sechs Monate und können problem- los verlängert werden, insofern sich genügend Spender finden. Und der Bedarf danach ist zuletzt noch weiter gestiegen. Jesco Weickert: „Zurzeit haben schnelle Nothilfemaßnahmen Priorität, um die Men- schen sprichwörtlich vor dem Hungertod zu bewahren und bei den Kindern dauerhafte Entwicklungsschäden zu verhindern.“ Oliver Armknecht Im Jemen ist das komplette Gesundheitssystem kollabiert und braucht nun Hilfe von außen ANZEIGE Vor Ort | 23
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