spendenmagazin2020

Bildung. Vorstandsvorsitzende Katja Hintze zeigt sich optimistisch, dass es jetzt damit endlich vorangeht. „Wir sehen Corona als eine Chance. Es wird derzeit massiv über Bildung diskutiert nach den wochenlangen Kita- und Schulschließungen. Wir haben mit den Online-Kursen sehr gute Erfahrungen gemacht. Unter anderem bedeutet dies mehr Inklusion und Vielfalt: Es sind jetzt Menschen bei Qualifizierungen dabei, die vorher aus den unterschiedlichsten Gründen keine Chance hatten teilzunehmen. Wir stehen als Gesell- schaft aber noch am Anfang dessen, was in der Bildung an Kitas und Schule möglich und wünschenswert wäre. Synchronüberset- zung von Kursen in mehrere Sprachen wäre eine Möglichkeit, noch mehr Menschen zu integrieren.“ Die Stiftung Bildung selbst agiert ohnehin vielfach bereits dezentral und digital, weshalb die Anpassung vergleichsweise leichtfiel. Auch länger geplante Veranstaltungen wie der Förderpreis „Verein(t) für gute Kita und Schule“ und die Jugendkonferenz youcoN finden die- ses Jahr online statt. Wird unsere Zukunft also rein virtuell sein? Ganz so einfach ist es dann doch nicht, stellt Katja Hintze fest. „Wenn es um die reine Wissensvermittlung geht, um die kurze Abstimmung in Projekten oder einen Informationsaustausch, das geht auch virtuell. Für kreative Aufgaben oder das Vermitteln ei- ner Wir-Kompetenz braucht es aber nach wie vor die persönliche Begegnung. Die Kindergärten und Schulen als Orte der Begegnung sind nach wie vor wichtig, wenn Kinder aus den unterschiedlichs- ten Familien und mit den unterschiedlichsten Voraussetzungen zusammentreffen, was für alle Seiten bedeutet, neue Perspekti- ven zu gewinnen.“ Aus diesem Grund hat die Organisation in den vergangenen vier Jahren 10.000 Patenschaften zwischen gleich- altrigen Kindern oder Jugendlichen vermittelt, die unterschiedliche Teilhabechancen haben. Im einen Fall kann eine Migrationsthematik zugrunde liegen, in anderen mögen es sprachliche oder körperliche Einschränkungen sein. Viele Patenschaften der letzten Jahre sind zu Freundschaften geworden, die auch in der Coronakrise Bestand haben. Akute Hilfe in der Not In anderen Teilen der Erde ging der Übergang ins Digitale nicht ganz so glimpflich – weil schlicht die nötigen Voraussetzungen fehlen. So spielt auch beim Ingolstädter Verein Siyabonga – Helfende Hände für Af- rika (e.V.) das Thema Bildung eine große Rolle. Zwei Bildungszentren betreibt die Organisation in den Townships von Südafrika, mit einem sehr breit aufgestellten Angebot. Da kommen etwa 30 Damen, die sich mit einem Nähprojekt ihren Lebensunterhalt verdienen. Junge Erwachsene belegen am Morgen Computerkurse, um ihre Jobchan- cen zu verbessen. Mittags sind dann die Kinder an der Reihe. 650 kommen normalerweise zumMittagessen und werden anschließend betreut, zusätzlich gibt es finanzielle Unterstützung beim weiteren Bildungsweg. Doch dann kamen die Lockdowns. „Von einem Tag zum nächsten ist das weggebrochen“, erinnert sich Ingrid Geisenfel- der, Vorsitzende und Geschäftsführerin von Siyabonga. „Wir muss- ten unser ganzes Programm umstellen. Plötzlich ging es nicht mehr darum, für eine mögliche Zukunft zu lernen, sondern um das akute Leben und Überleben. Wir haben damals als Hilfsorganisation eine Sondergenehmigung bekommen, wieder in die Townships zu fahren und Lebensmittel zu verteilen, als sie gesehen haben, dass die Leute verhungern. Es durfte ja auch niemand mehr raus, um sich Kinder- geld oder Arbeitslosengeld zu holen.“ Mit riesigen Lastern fuhren die Helfenden in die Townships. Und auch vor Ort war der Aufwand Die Schule ist nach wie vor wichtig als ein Ort der Begegnung Fotos: Laurent Hoffmann, Lisa.Mari Kaspar, Karin Schermbrucker, julia Zimmermann Der Ingolstädter Verein Siyabonga setzt sich trotz der Corona- Einschränkungen in Südafrika für Kinder und Jugendliche ein Das von MISEREOR unterstützte Butterfly Art Project hilft Kindern in Südafrika, durch Kunst traumatische Erfahrungen zu verarbeiten 10 | Engagement

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