spendenmagmagazin2021

2020 wurde in Deutschland alle 45 Minuten eine Frau misshandelt, alle drei Tage eine getötet « Fotos: iStock/south agency © UNICEF/UN0406794/Andrianantenaina UND DAS IST HUNGER, DEN CORONA NOCH SCHLIMMER GEMACHT HAT. Ich sehe was, was du nicht siehst. SIEHST DU DAS AUCH? Jetzt spenden und helfen auf www.unicef.de ANZEIGE Laut der Organisation Save the Children sind 133 bis 175 Milli- onen Kinder jedes Jahr mit häuslicher Gewalt konfrontiert. Dazu zählt sexueller Missbrauch, vor dessen Zunahme Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit Blick auf kinderpornografische Filme warnte: „Im Coronajahr haben Verbreitung und Konsum solcher Bilder und Filme noch einmal stark zugenommen.“ Eine imHerbst veröffentlichte Studie der Unabhängigen Kommission zur Aufar- beitung sexuellen Kindesmissbrauchs zeigte, dass mit 44 Prozent die Eltern die mit Abstand häufigsten Täter sind. Gemeinsam die Kinder schützen In anderen Ländern nahmen Kinderehen zu. Ein Bericht von World Vision zeigt für das Jahr 2020 den stärksten Anstieg seit 25 Jahren, mancherorts in Äthiopien und Ghana hat sich die Zahl der Kindsbräute verdoppelt. Dana Buzducea, Kinderrechtsexper- tin bei World Vision International, zu den Hintergründen: „In den vergangenen 18 Monaten waren Millionen heranwachsender Mäd- chen über längere Zeiträume nicht in der Schule und einem hohen Risiko ausgesetzt.“ Mit der Schule fehlte die Speisung, Hunger nahm zu. „Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind, das in den vier Wochen vor der Erhebung Hunger litt, verheiratet wird, ist um 60 Prozent höher.“ Dann sitzt ein Kind weniger am Tisch, und das Brautgeld bringt Nahrung für die Familie. Im August 2020 wurde deshalb das Projekt „Joining Forces for Africa – Schutz von Kindern vor Gewalt während der Covid-19-Krise und darüber hinaus“ (JOFA) gestartet, das von Plan International Deutschland geleitet und von Hilfsorganisationen wie World Vision, Save the Children und SOS Children’s Villages International mitgetragen wird. Rund 718.000 Kinder sollen in den nächsten zwei Jahren vom JOFA-Projekt profitieren. Opfer alter Männlichkeitsbilder Auch „Girls not Brides“, ein weltweiter Zusammenschluss von rund 1.500 zivilgesellschaftlichen Organisationen, setzt sich ge- gen Kinderheirat ein. Meghla, die in Dhaka aufwuchs, berichtet aus eigener Erfahrung: „Ich wollte nicht heiraten und meine Aus- bildung fortzusetzen. Trotzdem hat meine Mutter den Termin für die Hochzeit ohne meine Zustimmung festgelegt.“ Damals war sie 13 Jahre alt. Die Mädchen werden oft mit deutlich älteren Män- nern verheiratet und sexueller Gewalt ausgesetzt. Komplikatio- nen bei einer Geburt sind die häufigste Todesursache bei Mädchen im Teenageralter. Meghla ist heute Jugendbotschafterin von World Vision und konnte mithilfe des Kinder- und Jugendforums bereits 13 Kinderheiraten stoppen. „Es gibt drei Dinge, die man schlagen kann: eine Trommel, einen Hund und eine Frau.“ Das ist ein sri-lankisches Sprichwort. Für Christopher aus Sri Lanka war es deshalb normal, seine Frau und Tochter nicht wertzuschätzen: „Ich habe nie auf die Meinung mei- ner Frau gehört. Ich habe sie sogar manchmal geschlagen. Ich war der Chef. Meine Tochter habe ich auch so behandelt.“ Bis er am World-Vision-Projekt „Men Care“ teilnahm. Freunde verspotteten Christopher „als Weichei. Sie verstehen nicht, warum ich nicht mehr mit ihnen auf einen Drink gehe. Aber ich tue das für meine Frau und meine Töchter. Es macht mir so viel Freude.“ Leider sprechen Männer auch in Deutschland noch immer selten über Gefühle wie Hilflosigkeit. „Viele meinen, immer stark sein zu müssen. Gesellschaft und Medien vermitteln das Bild vom Mann, der nicht weint und keine Schwäche zeigt. Viele haben ihre Väter wenig erlebt und wenn, dann eher gefühlsarm. Wenn ein Mann sich unsicher ist bezüglich seines eigenen Männerbildes, greift er auf das zurück, was er kennt,“ erklärt Tobias Schiefer, Männerberater bei der SKM gGmbH Düsseldorf. Für das Pro- jekt „Echte Männer reden.“ wirkte Corona als positiver Digitalisierungbeschleuniger. Seit 2020 gibt es eine anonyme, kostenlose Online- Beratung – für Männer als Täter und als Opfer. Schiefer erlebt An- fragen von Männern, die Sorge haben, wieder gewalttätig zu werden, z.B. wegen Stress, aber mehr noch von Opfern häuslicher Gewalt. Beispielsweise berichtet er von „einem Vater mit Kind in Elternzeit, der Angst vor Gewalttaten durch die Familie seiner Partnerin hat- te. Er konnte in einer Schutzwohnung für von häuslicher Gewalt betroffene Männer aufgenommen werden“. Laut Bundesweiter Kri- minalstatistik ist eine von fünf von partnerschaftlicher Gewalt be- troffenen Personen ein Mann. Laut polizeilicher Kriminalstatistik in Nordrhein-Westfalen war 2020 rund jedes dritte Opfer männlich. Karen Cop Gesellschaft | 19

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